Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Regensburg    I II III


Die einzige erhaltene mittelalterliche Großstadt

Grabungen in den Jahren 1976/77 haben erbracht, daß dort schon früher ein Marktflecken stand. Er hatte sich im Zusammenhang mit dem alten Römerlager in Kumpfmühl gebildet. Aufzublühen begann diese Siedlung jedoch erst ab dem Jahr 179. Es gab Händler dort, Handwerker und Ärzte. Viele römische Soldaten ließen sich nach dem Ende ihrer Dienstzeit dort nieder. Und erst zur Zeit der Völkerwanderung wurde Castra Regina von den Römern verlassen.

Über die folgenden Jahrhunderte weiß man nicht viel. Die Bajuwaren kamen und bauten auf den römischen Trümmern weiter. Regensburg entstand, wurde Reichsstadt und ist heute ein unschätzbares, steingewordenes Dokument: die einzige erhaltene mittelalterliche Großstadt.

Jeder, der heutzutage in Regensburg bauen oder umbauen will, hat Angst, daß beim ersten Spatenstich wieder eine römische Kostbarkeit ans Licht kommt und das Denkmalschutzamt den Bau erst einmal stoppt. Vor nicht all zu langer Zeit wurde unter einem Platz ein Grab ausgehoben, in dem sechs römische Rösser mitsam einer herrschaftlichen Kutsche bestattet waren. Und es liegt erst wenige Jahre zurück, daß beim Einbau einer Heizung unter dem Niedermünster nicht weniger als sechs klar abgrenzbare Kirchenbauperioden entdeckt wurden, deren älteste in die Gründungsjahre von Castra Regina fällt. Übersichtlich geordnet und beschriftet kann man die Funde, wenn nicht gerade die Messe gelesen wird, viele Meter unter der Kirche ansehen. Eine Apotheke im Zentrum hat im Schaufenster die Basis einer römischen Säule ausgestellt, die bei der Renovierung im Hause gefunden wurde.

Rom überall. Es versteht sich von selbst, daß auch im Museum der Stadt, das im ehemaligen Minoritenkloster untergebracht ist, römische und andere Funde ausgestellt sind.

Mit Museen haben sie´s überhaupt, die Regensburger. Und alle diese Museen sind besuchenswert. Eines davon ist die Schatzkammer sakraler Kunst aus dem gesamten niederbayerischen Gebiet. Dazu wurde das frühere Ökonomiegebäude der Fürstabtissin Maria Theresia mit sehr viel Stilgefühl in ein Diözesanmuseum umgewandelt. Unter den niedrigen Balkendecken, unter denen früher Stroh trocknete, werden jetzt Gemälde, wertvolle Heiligenfiguren und andere kirchliche Kunstgegenstände aufbewahrt und restauriert -Schätze, die sonst vielleicht in den unverschlossenen Kirchlein draußen auf dem Land Dieben in die Hände gefallen wären.

In Regensburg gibt es 26 historische Kirchen. Im Dom mit seinen Sängerknaben, die allsonntäglich zum Hochamt vor dem Altar singen und ansonsten als "Domspatzen" durch die ganze Welt reisen, sind die Glasfenster im südlichen Querhaus und in der Südwand aus dem 13. und 14. Jahrhundert das Schönste. Oder vielleicht der Verkündigungsengel aus Stein, der so verschmitzt lächelt, als würde er gerade einen Streich aushecken? Schön ist auch der Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert und der Hochaltar - aus Silber und vergoldetem Kupfer, nicht ganz hundert Jahre alt.

Prunkvoll und fröhlich ist die "Alte Kapelle", eine Pfalzkapelle, die vermutlich schon vor dem Jahr 800 gegründet worden ist: Engel, Schnörkel, viel Gold, Oratorien, ein bißchen Römermauer und eine italienische Madonnenikone aus dem 13. Jahrhundert. Sie wird noch heute sehr verehrt und ist von Legenden umwoben. Die Ikone soll das älteste Marienheiligtum Bayerns sein.

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