Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Nürnberg   I II


Lebzelter in Nürnberg

Die Geschichte des Lebkuchens ist alt. Schon die Menschen in der Antike wußten, daß Honig in Verbindung mit Gewürzen der Gesundheit zuträglich ist. Vor wenigen Jahrzehnten wurden in einem Königspalast von Mesopothamien Backmodel aus der Zeit um 2000 v.Chr. ausgegraben. Man ist sicher, daß das Backwerk, das in ihnen geformt wurde, unserem heutigen Lebkuchen sehr ähnlich war. Im alten Griechenland gab man den Soldaten Honigkuchen mit, damit sie für den Kampf gestärkt waren. Man opferte sogar den Göttern Honigkuchen. Und auch der Höllenhund Zerberus soll mit ihnen besänftigt worden sein.

Eine Handschrift aus dem 11. Jahrhundert vom Kloster Tegernsee benutzt zum erstenmal den Ausdruck "Pfefferkuchen". Pfeffer war die Bezeichnung für Gewürz schlechthin. 1296 wird in Ulm der Name "Lebzelter" zum erstenmal urkundlich erwähnt, ein sicherer Hinweis auf den damals existierenden Beruf. Lebzelter und Imker, die einst "Zeidler" hießen, waren mächtige und einflußreiche Zünfte.

Das Wort "Lebkuchen" fand man in einem alten Zinsbuch aus dem Jahre 1409. Wo diese Bezeichnung herkommt, ist bis heute nicht geklärt.

Fest steht, daß schon damals die Nürnberger Lebzelter die besten Kuchen buken. Sie nämlich hatten riesige Waldgebiete vor ihren Stadtmauern, in denen es reichlich Honig von feinster Qualität zu ernten gab. Nur die "Zeidler" durften dort sammeln; Karl IV. sicherte ihnen 1350 in seinem "Zeidel Fryheit Brieff" manche Privilegien zu. Es war die Zeit, in der Nürnberg zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen in Europa wurde. Die Stadt lag genau dort, wo sich die großen Handelsstraßen kreuzten. Kostbare, fast unbezahlbare Gewürze, die man zur Herstellung der Lebkuchen brauchte, kamen auf diese Weise in die Stadt. In allen alten Rezepturen und Vorschriften zur Lebkuchenherstellung werden schon damals "Zimmet, Negelein, Muskaten-Nüsse und Pfeffer" vorgeschrieben.

Es gibt unendlich viele Geschichten und Sagen um den Lebkuchen; die meisten stammen aus Nürnberg. So war es zum Beispiel ein großer Tag für die Lebküchner, als 1487 Kaiser Friedrich II., als er in Nürnberg seinen Reichstag abhielt, alle Kinder der Stadt auf die Burg einlud und jedes - es waren mehr als 4000 - mit einem Lebkuchen beschenkte, auf dem sein Bild zu sehen war. Seit diesem Tag heißen bestimmte einfache Lebkuchen "Kaiserlein".

Nürnberger Lebkuchen waren schon damals so bekannt und begehrt, daß die Lebküchner in 72 Orten des Reiches Zollfreiheit vom Kaiser verbrieft hatten.

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