Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

New Mexico   I II III


Missionskirchen säumen den Weg

Als Ausgangsort für Rundfahrten - etwa im Mietwagen - durch New Mexico könnte man Santa Fe nehmen. Diese hübsche, nicht sehr große Stadt - sie hat nur etwa 76 000 Einwohner - blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde sie 1610 von den Spaniern, die aber bereits 1680 von den Pueblo-Indianern vertrieben wurden. Die Spanier kamen jedoch bald zurück, weil sie von hier weitere Teile im Südwesten der heutigen USA erforschen wollten. So ergab sich, dass hierher von St. Louis in über 2000 Meter Höhe im Jahr 1792 die erste Handelsroute für Planwagentrecks angelegt wurde. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts war dies die offizielle Postwagenstrecke. Und man spricht noch heute vom berühmten Santa Fe-Trail, auf dem so viele wilde Dinge passierten. Der Trail endete in Santa Fe auf der "Plaza" mitten in der Stadt - einem wichtigen Außenposten des spanischen Herrscherreiches.

Um "The Plaza" stehen spanisch-mexikanisch beeinflusste Häuser. Im angenehmen Abendklima bummelt man durch die Ladengeschäfte und schaut sich das heitere Treiben an. Nicht weit von diesem Platz in der Innenstadt steht das angeblich älteste Haus von ganz Amerika. Vor acht Jahrhunderten soll es von Indianern erbaut worden sein. Jedenfalls behauptet das unser Freund Calvin mit Stolz. Der Eingang liegt gegenüber der San-Miguel-Kirche. Er führt durch einen Souvenirladen mit allerlei Krimskram.

Die ganze Atmosphäre dieser Stadt ist so beschwingt und heiter, dass es die nicht wundert, wenn es im Sommer hier sehr voll ist. Filmstars aus Hollywood haben sich hier in der Umgebung niedergelassen. Auf Schritt und Tritt begegnet man einer Berühmtheit, die in Santa Fe ein ganz normaler Mensch wie Du und ich ist.

Taos ist eine gute Autostunde von Santa Fe entfernt. Nimmt man die High Road Nr. 76, so kommt man an großen Haciendas vorbei, die eine Wohlhabenheit erkennen lassen, von der man sich in Europa keine Vorstellung machen kann. Spanische Missionskirchen säumen den Weg in der Hochebene. Eine davon, El Santuario in Chimayo, ist eine Wallfahrtskirche und wie in Lourdes haben hier viele Geheilte ihre Krücken zurückgelassen. Es ist verblüffend, wie immer wieder das Landschaftsbild wechselt. Viel Grün, aber auch große Strecken trockener Hochebene werden durchquert. Eigentümlich ist, dass es, je höher man kommt, immer fruchtbarer wird. Aus der Steppe wird Weideland, statt trockenen Büschen gibt es grüne Bäume. Und schließlich, bei Taos, die unvergleichlichen Farben, die andächtig werden lassen. Jetzt spürt man tatsächlich eine Art "Verzauberung", der man sich nicht entziehen kann. So gibt es viele Gründe, nach Taos hinaufzufahren. Einer ist das angenehme Klima und das unbeschreibliche Licht, das seit eh und je Künstler angezogen hat. In Taos gibt es zahllose Malerateliers und über 80 Galerien, in denen Kunst verkauft wird. Offensichtlich kann man dort oben in den Bergen davon leben. Seit 1912 existiert hier die Society of Artists - eine Künstlerkolonie, die zwei Maler gegründet haben, die seinerzeit - eher zufällig - wegen eines kaputten Wagenrades eine Zwangspause einlegen mussten. Aber nicht nur Maler haben sich in dem winzigen Ort niedergelassen, auch Schriftsteller, Fotografen und Musiker sind hier längst zuhause.

Die meisten Besucher kommen nach Taos, um das vermutlich älteste Indianerdorf - das Taos-Pueblo - zu besuchen. Eine genaue historische Überlieferung, wie alt die Ansiedlung ist und warum man sich hier angesiedelt hat, geben die Indianer nicht preis. Dies hat religiöse Gründe, die geheimgehalten werden. Archäologen gehen davon aus, dass Indianer bereits vor über tausend Jahren in einem Tal nahe Taos gelebt haben. Das Dorf ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich, aber man muss eine Parkgebühr bezahlen und sein Auto vor dem Dorf abstellen.

Im Pueblo leben und arbeiten über tausend Indianer. Sie betreiben Viehzucht und stellen Silberschmuck her. In den großen bis zu fünf Stockwerken hohen Häusern aus Lehm und Stroh mit den winzigen Fenstern gibt es keinen Strom und kein fließendes Wasser. Doch viele dieser Tiwa-Indianer gehen fern ihrer Pueblos einer Arbeit nach oder studieren auf den Hochschulen des Landes. Einige besitzen Häuser außerhalb ihrer Dorfgemeinschaft, in denen sie jeden Komfort eines normalen Amerikaners genießen.

Aber kein Stammesangehöriger würde es jemals versäumen, rechtzeitig zu den rituellen Festen zum "Heiligen Berg" und zum "Blauen See" zu kommen, der 1970 von den USA an den Stamm zurückgegeben wurde. Zu diesen Zeiten ist das gesamte Gelände für Weiße nicht zugänglich. Wenn der Stammes-Governeur und der Kriegshäuptling mit den 50 Stammesältesten Recht sprechen und die Angelegenheiten ihre Volkes diskutieren, sind sie unter sich. Wie seit Hunderten von Jahren.

Dies respektiert auch der Präsident im fernen Regierungssitz Washington.

New Mexico   I II III




© by PhiloPhax & Lauftext
Weitere Publikationen der Redaktion:
Schwarzwald.net - Reiserat - Reisethema.de - Neckarkiesel.de