Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Namibia    I II III


Swakopmund - Namibias zweitgrößte Stadt

In einem großen Bogen fährt man auf guter Straße nach Swakopmund. Zunächst sehen wir Namibias zweitgrößte Stadt gar nicht - sie ist im Nebel verborgen. Der ist hier häufig, denn Swakopmund liegt am Wasser. Die Stadt mutet wie ein Seebad in der Wüste an. Schon wieder sehen wir deutsche Straßennamen - und auch das legendäre "Erichs-Restaurant", dessen Inhaber nicht nur Fischer, sondern auch Koch ist. Deutsche Spezialitäten gibt es selbstverständlich auch im wohl besten Lokal der Stadt, dem "Europa-Hof". "Bahnhof" (offiziell "Station-Hotel") heißt das allerfeinste Hotel in der Stadt. Es war tatsächlich einst der Reichs-Bahnhof. Doch es gibt keine Züge mehr, dafür aber riesige Gästezimmer mit traumhafen Bädern, einer Video-Arkade für Kinder und ein Spielkasino. Auch in Swakopmund scheint die Zeit um die Jahrhundertwende stehengeblieben zu sein - das "Alte Amtsgericht" oder das "Hohenzollernhaus" haben schon immer so ausgesehen wie heute. Nach Swakopmund reist man, wenn es im Dezember oder Januar im Landesinneren unerträglich heiß wird. Auch der Präsident hat hier sein Feriendomizil.

Jeder Namibia-Besucher sollte sich für einen Ausflug an die Skelettküste ein paar Tage Zeit nehmen. Sie liegt im Nordwesten des Landes am Atlantik. Man kann mit kleinen Maschinen von Swakopmund aus hinfliegen oder auch mit dem Auto hinfahren; bis zum nördlichsten Punkt sind es 420 Kilometer. Den seltsamen Namen hat die Skelettküste wegen der viele Schiffe (es sollen über 400 sein), die hier in den letzten Jahrhunderten gestrandet sind. Wrackteile ragen aus dem Wasser oder liegen verrottet am Strand. Das ganze riesige Gebiet steht unter Naturschutz und man braucht teilweise sogar einen Erlaubnisschein, wenn man über den Ugab-Fluß hinausfahren will. Den Schein bekommt man, nebst einem ortskundigen Führer, in den Tourismusbüros in Windhuk oder Swakopmund - oder auch am Eingangstor zum Naturschutzpark. Wenn man ein ärztliches Attest über seine körperliche Fitneß, einen Schlafsack und Proviant mitbringt, kann man sogar dreitägige Wanderungen unter der sachkundigen Leitung von Naturschutzwarten machen. Auskunft darüber und über Safaris in die Wüste bekommt man ebenfalls im Tourismusbüro in Windhuk.

In die meisten Parks und Naturschutzgebiete in Namibia darf täglich immer nur eine bestimmte Zahl von Autos hineinfahren. Man sollte dies auch keinesfalls allein versuchen, es ist nicht ungefährlich. Ganz allgemein gilt in diesem Land die Regel, daß man unterwegs nie sein Auto verläßt - es ist teilweise sogar bei Strafe verboten, auch wenn man im Moment weit und breit keinen Löwen, kein Nashorn und keinen Elefanten erblickt.

Die Führer wissen genau, wo die Wasserlöcher sind, an denen die Tiere zu bestimmten Tageszeiten zum Trinken kommen. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, in der untergehenden Sonne die großen grauen sanften Rüsseltiere familienweise zum Tümpel schreiten zu sehen. Man kann die Rangordnung beobachten, man sieht die Elefantenbabies baden und spielen, während der Bulle im Hintergrund wacht und als letzter trinkt, bevor er seine Herde zum Aufbruch treibt.

Man sitzt still und fast atemlos in seinem Auto - nur wenige Meter entfernt. (Ich habe vor lauter Ergriffenheit vergessen, zu fotografieren.)

Namibia hat 21 sehr große Naturschutzgebiete, der Namib-Naukluft-Park ist mit fast 50 000 Quadratkilometern der Größte in ganz Afrika.

Ein Tierparadies findet man vor allem im Etoscha-Nationalpark. Dort kann man wohl am besten die Tiere an den Wasserstellen beobachten. Man sieht Büffel und Antilopen, Gnus und Springböcke, den Vogel Strauß und den gefleckten Schakal. In diesem Gebiet leben 114 Säugetier- und 340 Vogelarten. Man könnte hier Wochen bei der Tierbeobachtung zubringen.

Die berühmten Robbenkolonien findet man hingegen an der Skelettküste auf den Felsen am Wasser. Man kann ganz nahe an die schlafenden Tiere herangehen - man kann sie sogar fast streicheln. Wer sehr geruchsempfindlich ist, sei gewarnt: Es ist unfaßlich, wie streng eine Ansammlung von ein paar tausend Robben riechen kann. Tagelang wird man diesen Gerucht nicht mehr los. Aber sehenswert sind sie allemal, diese liebenswerten Knuddeltiere. Von den einheimischen Fischern werden sie allerdings weniger geschätzt: Sie fressen ihnen tonnenweise den Fisch aus dem Meer weg.

Am schönsten und eindrucksvollsten erlebt man die Wüste abends am Lagerfeuer, wenn man nach stundenlanger Safari durch tiefen Sand und flimmerndes Steppengras in die Lodge zurückgekehrt ist. Wenn, wie "unser" pechschwarzer, einäugiger Koch Gabriel vom Stamme der Ovambo, selbstgefangene Fische oder Kudu (eine Wildart) zubereitet hat und für uns grillt. Wenn es so kühl wird, daß man den Wollpullover aus dem Rucksack zieht und die Boys glühende Kohlen unter jeden Hocker legen. Wenn man die schimmernden Felsbrocken der Achatberge in der untergehenden Sonne verblassen sieht und die Sterne zum Greifen nahe sind.

Dann wünscht man sich, von diesen Sternen, diesen Steinen, dieser Stille, etwas mit nach Hause nehmen zu können.

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