Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Fürstentum Liechtenstein    I II III IV


Kässpätzle mit Apfelmus

Triesenberg ist das höchstgelegen Dorf Liechtensteins. Von hier hat man einen unvergleichlichen Rundblick über das Alpengebiet. Im Weiler Masecha auf 1235 Meter Höhe kann man noch Reste der ehemaligen Walsersiedlung sehen: Arme Bauern kamen im 13. Jahrhundert aus dem Wallis hierher, weil sie sich bessere Lebensbedingungen erhofften. Sie bauten sich schindelgedeckte Holzhäuschen, die heute Sehenswürdigkeiten sind. Im Walser Heimatmuseum zu Triesenberg kann man die Geschichte des Völkchens mit dem eigenartigen Dialekt nachvollziehen.

Der 850 Kilometer lange Pfad der Walser, der neben der Schweiz, Deutschland und Österreich auch Liechtenstein berührt, wurde als Wanderweg eingerichtet und beschildert. Den "Historischen Höhenweg Eschnerberg" gibt es schon seit 1975. Für diesen Rundwanderweg braucht man zweieinhalb Stunden. Die abwechslungsreiche Naturgeschichte mit Steinen, Gewässern, Tier- und Pflanzenwelt wird auf Tafeln erklärt.

Überall in den elf Gemeinden des Füstentums gibt es auf den Berghöhen wie in den Dörfern hübsche Gasthäuser mit Blumenbalkons. In Schellenberg mit seinen zwei Burgen und einem interessanten Wohmuseum im "Biedermann-Haus" bekamen wir mächtig Hunger und liessen uns zur Mittagszeit vor dem "Wirthshaus zum Löwen" nieder, weil das Schild so originell und die Aussicht prächtig war, die Turmuhr grade zwölf Uhr schlug und kein Mensch zu sehen war. Aus der Küche aber kam ein gar köstlicher Duft.

Die hübsche Frau Wirtin trat heraus und stellte gleich, ohne zu fragen, einen Krug hauseigenen kühlen Weiswein auf den Tisch. Der "Löwen" ist bekannt für seine Landesspezialität, bei der ein Schwabe staunt - ist es doch fast die schwäbische Nationalspeise, mit einer ungewohnten Zutat: "Knöpfli mit Chäs und Mus". Nach dem zweiten Krügli Hauswein kamen sie auf den Tisch: handgeschabte dicke Kässpätzle mit gerösteten Zwiebeln und - Apfelmus drüber.

Es schmeckte umwerfend gut.

Danach ist man allerdings fast nicht mehr in der Lage, die berühmten Pfarrkirchen in der Umgebung anzusehen. Doch zu einer Weindegustation in der Hofkellerei auf der grossen Domäne des Fürsten kann man sich gerade noch aufraffen. Man muss sich nur rechtzeitig vorher anmelden. Und viel Geld mitbringen, denn keiner geht hier hinaus, ohne ein paar der wunderbaren Weine von Durchlaucht mitzunehmen. Kreditkarten werden seltsamerweise nicht akzeptiert. Obwohl es auch hier um grosse Geschäfte geht.

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