Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

La Palma    I II III


Bananen, Barrancos und Bachblütenfrauen

Wie ein riesiges faltiges, graues Nilpferd sieht sie zunächst aus, diese Kanareninsel, wenn man aus der Luft auf den Flughafen von St. Cruz einschwebt. Der ist klein, übersichtlich und richtig gemütlich. Die meisten Passagiere haben Wanderschuhe an und begeben sich zielstrebig mit geschultertem Rucksack zum Bus - man sieht, viele sind schon mehrmals hiergewesen, sie kennen sich aus. Sie wissen, daß man auf dieser Insel keine "Garderobe" braucht, denn großen Luxus findet man hier nicht.

La Bonita heißt sie auch, die Schöne - dies ist die Insel der Stille, auf der man die Ruhe sucht, die Abkehr vom Stress des Alltags, das Gegenteil vom mallorcinischen Ballermann 6.

Das gleißende Licht läßt einen die Augen zusammenkneifen - Sonnenbrille und Sonnenschutz mit hohem Lichtfaktor sind unabdingbar, doch ist es hier niemals zu heiß und auch niemals zu kalt. Als nordwestlichste der Kanareninsel ist La Palma stärker als alle anderen Inseln des Archipels dem Passatwind ausgesetzt - bei einer Fahrt quer über die Insel spürt man deutllich die Klimascheide durch das Gebirge, das sich unerwartet auf eine Höhe von über 2500 m auftürmt. La Bonita ist nicht besonders groß, gerade mal 47 Kilometer mißt das herzförmige Eiland von Nord nach Süd und an der breitesten Stelle knapp 30 Kilometer. Damit ist sie die drittkleinste im Kanarischen Archipel - nur Hierro und La Gomera sind noch kleiner. Wenngleich es manchmal über viele Monate nicht regnet, zeigt sich La Palma an vielen Stellen in üppigem Grün - es herrschen das ganze Jahr über warme gemäßigte Temperaturen, die immer und überall viele bunte Blumen blühen lassen.

Über die Geschichte der Guanchen - Ureinwohner der spröden Schönen - ist nicht sehr viel bekannt. Im September 1492 landete der Spanier Alonso Fernández de Lugo mit seinem Segelschiff an der Westseite der Insel und eroberte sie ohne große Kämpfe. Nur einer stellte sich ihm entgegen - er hatte sich in einer Schlucht verschanzt - aber im Mai 1493 konnte de Lugo seinem König die vollständige Unterwerfung der Insel vermelden. Seitdem ist sie spanisch.

La Palma erlebte in den nächsten Jahrhunderten einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung: der Hafen von St. Cruz auf der Ostseite war für Spanien von großer Bedeutung - lag er doch günstig in einer weiten Bucht. Fremde Schiffe, die sich feindselig nähern wollten, sah man lange vorher von den Bergen ringsum. Im 16. und 17. Jahrhundert war St. Cruz der drittgrößte Hafen des spanischen Königreiches.

Heute ist eher der Flughafen der Insel von großer Wichtigkeit. Im Gegensatz zu Teneriffa oder Ibiza wurde La Palma spät als Ferienziel entdeckt - es gibt auch heute nur wenige größere Hotels. Es ist nicht denkbar, daß hier jemals Massen von Touristen herkommen werden. Die Deutschen und die Engländer, die man hier trifft, haben kleine abgelegene Häuschen, die sie teilweise auch vermieten. Daneben gibt es auf der Ost- und auf der Westseite einige Ferienanlagen unterschiedlicher Kategorien. Für einen reinen Badeurlaub eignet sich die Insel kaum - die schwarzsandigen Strände, die man freilich rund um die Insel finden kann, sind manchmal nur auf abenteuerlichen Wegen zu erreichen und an manchen Stellen ist das Meer wirklich wild. Bei Puerto Naos beispielsweise ist eine schöne gepflegte Anlage mit feinem saubergerechtem großem Strand, Liegestühlen, Bistros, kleinen Läden und Cafés, wo man unter schattenspendenden Bäumen faule Stunden verbringen kann. Auch Kinder können hier unbesorgt ins Meer waten.

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