Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

La Palma    I II III


Die Inselhauptstadt St. Cruz

Die Inselhauptstadt St. Cruz ist überschaubar - ein Gang durch die Altstadt reizvoll, denn sie bietet in den winkeligen Gassen hübsche Fotomotive. Vor allem die bunten holzgeschnitzten Balkone der Bürgerhäuser an der Uferstraße, der Avenida Marittima, sind sehenswert. Das Herz der Stadt ist die Plaza Espana, wo man frischgepreßten Orangensaft oder auch einen Café cou leche, einen Milchkaffee, zu trinken pflegt. Die Kirche El Salvador mit ihrer prächtigen Kassettendecke, 1503 im Renaissancestil erbaut, liegt hier. Auch das Schiffahrtmuseum, das in einer Nachbildung des Kolumbus-Schiffes "Santa Maria" untergebracht ist, ist nicht weit, hat aber zur Insel keinen Bezug, denn Kolumbus war nie hier. Man hätte eher einen alten Bananendampfer dafür nehmen sollen: La Palma exportiert immerhin mehr als 100 000 Tonnen dieser exotischen Früchte im Jahr von diesem Hafen aus.

Die ganze, knapp 730 qkm große Insel kann man bequem auf einer ausgezeichneten Straße umfahren - auch quer durch ist das möglich. Man muß aber dazu wissen, daß durch die ungewöhnliche topographische Lage mit den vielen Bergen und Schluchten Autofahren hier nicht einfach ist. Nicht jeder ist den unzähligen Kurven gewachsen, hinter denen jederzeit ein riesiger Bananenlastwagen auftauchen kann. Wer Paßfahren liebt oder ein Motorrad beherrscht, ist hier richtig - ungeübte Fahrer sollten lieber öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Auch mit denen kommt man zur Westseite der Insel, wo das Wirtschaftszentrum Los Llanos liegt. Die hübsche Stadt ist nicht am Meer, hat aber viel Atmosphäre - man spricht von der "heimlichen" oder der "zweiten" Hauptstadt. Auch hier gibt es im Mittelpunkt eine Plaza Espana - mir gefällt sie besser als die in St. Cruz - kann man doch hier stundenlang unter großen schattigen Lorbeerbäumen sitzen und den Leuten zusehen. Los Llanos hat viele Deutsche angezogen - man trifft sich im "Contacto", einer Art Informationsbörse, in der deutsch gesprochen wird. Auch Autos kann man hier mieten und Karten für alle möglichen kulturellen Veranstaltungen buchen. Zimmer oder Immobilien werden ebenfalls in diesem Büro vermittelt. Die Stadt hat eine Reihe guter und hübscher Restaurants und sogar eine Diskothek, die einzige auf der Insel.

Etwa 15 Autominuten und einige Kurven und Spitzkehren abwärts, liegt am Meer das kleine Tazarote - mitten in großen Bananenplantagen. Es hat einen kleinen Hafen, einen winzigen Strand und eine Reihe guter Fischrestaurants am Wasser. Im Supermarkt kaufen preiswert alle diejenigen ein, die sich für eine Weile hier niedergelassen haben. Wie weiße Tupfer liegen in diesem Gebiet die gemieteten oder gekauften Häuschen rundum in den Bergen - viele ganz abseits und meist sehr stilvoll. Man findet Maler und Bildhauer verschiedener Nationalitäten, Steuerflüchtlinge und Eostherikerinnen, die Mitmenschen durch Bachblüten heilen oder ausgesetzte Hunde auflesen und zähmen. Oder sieht man auf einem Felsvorsprung einen im Yogasitz, das Gesicht der untergehenden Sonne zugewandt - den Walkman auf den Ohren meditativer Musik lauschend.

Wenn man sich in unseren Breitengraden nicht mehr wohlfühlt, wenn man ruhelos und gestreßt ist oder wenn man für eine Weile "aussteigen" will aus seinem Alltag, dann ist die Insel La Palma eine wunderbare Alternative.

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