Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Belgien    I II III IV


Nur Frankreich hat mehr Sorten Käse

Der Belgienbesucher wird einen kulinarischen Streifzug durch dieses Land, das ebensoviele Landschaftsformen aufweist, wie es regionale Küchen hat, nicht beenden, ohne den belgischen Käse zu probieren. Nur Frankreich hat mehr Sorten. Doch Fachleute sind der Meinung, daß Europas bester Käse aus Herve kommt. Die Stadt, nach der er benannt ist, liegt nicht weit hinter der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen im Waldgebiet zwischen Maas und Vesdre. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wird hier Käse produziert. Als nach der Schlacht von Waterloo ein englischer Dichter durch Herve kam, erzählte er zuhause, daß dort die Straßen von duftendem Käse parfümiert seien. Der läge überall auf Strohschütten, die dann auf flachen Karren von dicken Pferden gezogen würden. Heute ist das nicht mehr so.

Den Käse auf Herve kann man in verschiedenen Reifegraden erwerben - mild, halbscharf oder scharf. Im letzteren Fall trägt der dann den berühmten Namen "Remoudou".

Die Trappistenkäse, die nach den alten Rezepten der Mönche unverfälscht noch immer in Scourmont-les Chimai, in Rochefort und in Orval hergestellt werden, haben die Form kleiner Mühlsteine. Sie sind mild und halten sich das ganze Jahr über. Mönche erfanden auch den viereckigen "Maredsous". Die mächtige Benediktinerabtei im Moligné-Tal zwischen Namur und Dinant darf nur von Männern besucht werden. Doch den weichen, fast geruchlosen Käse können auch Damen im Dorfgasthaus von Denee-Maredsous zu duftendem frischem und kühlem Bier probieren.

Da in Belgien jede Spezialität ihr Museum hat, ist es kein Wunder, daß man nicht weit von hier in Battice ein Käsemuseum eingerichtet hat, das sehenswert ist.

Die Belgier essen unter anderem auch viel Süßigkeiten -jeder von ihnen 22 Kilo im Jahr. Für Bonbons, Schokolade und vor allem für Bisquits sind sie berühmt. Überall findet man Verkaufsbuden unter freiem Himmel, die Waffeln, heiß und locker, anbieten. Es gibt viele kleine und mittlere Unternehmen, die heute noch in Handarbeit Bisquits von besonders feinem Geschmack herstellen.

Jeder kennt die Spekulatius, ein Gebäck, das vor allem zu Weihnachten, aber auch in der übrigen Zeit des Jahres gekauft wird. Die Herkunft des Wortes ist umstritten. Manche sagen, ein Konditor namens Van Siegel, lateinisch speculum, habe sie erfunden. Andere meinen, das Wort setze sich aus "spek" für Süßigkeit und "klaas", der Verkleinerungsform für Nikolaus, zusammen. Auf jeden Fall gehören in den Teig außer Mehl und Butter auch Rohrzucker, Eier, Salz, Zimt und Gewürznelken. In jedem Kaffeehaus bekommt man ein paar dieser zarten Kekse zum Kaffee angeboten. Die einzige Fabrik der Welt, in der sie hergestellt werden, steht im Außenbezirk von Brüssel, in der Broterstraat. Seit Generationen im Familienbesitz, wird sie heute von Jean Rombouts geführt. Doch die Firma heißt, wie sie immer hieß: Dandoy. Und wer das Lädchen der Firma in der Innenstadt besucht, hat in dem länglichen, dunklen, anheimelnden Raum die Qual der Wahl zwischen unzähligen Gebäcksorten. Hauchdünn und überzuckert oder prall und schokoladenüberzogen häufen sie sich in den hohen Regalen. Ihr Duft führt in die Kindheit zurück. Und so wollen wir Sie, wenn Sie dort einkaufen, verlassen: träumend in einem kleinen Schlaraffenland mitten in Europa.

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